| Nicht die Bands vergessen
Na, was dachtet Ihr, wie die neue Scheibe von
Hammerfall ausfällt? Wie alle anderen? Stimmt irgendwie, denn Spaß
macht sie ebenso wie alle Vorgängerplatten und die Songs sind wieder
einmal zum Großteil Metal-Hymnen vor dem Herrn. Und trotzdem… irgendwas
ist anders. Wie auch bei allen anderen Platten der Schweden immer ein Fortschritt,
eine kleine Veränderung hier und da rausblitzte. Gitarrist Oscar Dronjak
hat die Nase vom Quatschen trotz vieler Interviews immer noch voll und
so zeigt sich der Gute auch bestens gelaunt. Und überrascht.
„Es überrascht mich wirklich, daß fast
alle Leute die selbe Meinung über das neue Album, *Chapter V: Unbent,
Unbowed, Unbroken*, haben wie wir selbst. Sie sehen dieselben Fortschritte,
wobei es eh so ist, daß Fans dafür eher ein Auge bzw Ohr haben
als zum Beispiel die Presse. Fans vertiefen sich einfach mehr in ihre Lieblingsbands,
ganz klar.“ Und genau die Tatsache, daß Hammerfall nicht allein mit
ihrer Meinung über den aktuellen Silberling dastehen, freut den Klampfer
wie ein Schnitzel. Kämpfte Oscar während des Songwritings doch
nicht nur mit neuen Ideen.
„Während dieser Zeit erholte ich mich gerade
von meinem gebrochenen Arm – hat eine ganze Menge Zeit und Energie gebraucht
um zu meinem Standart vor dem Armbruch zurückzukommen. Das erste Mal,
daß ich das Gefühl hatte, es geht wieder wie vorher, war ewa
im Mai 2004 – rein mental war das alles wirklich eine Herausforderung.“
Zumal Oscar alleine an den Songs für die Band werkelt. Er selbst
sieht die Entwicklung der Band als einen total natürlich Prozeß,
der keinen Zwängen oder bestimmten Vorgaben folgt.
„Wir versuchen nie, diesen Vorgang, diese Entwicklung
zu kontrollieren. Das Einzige, das wir wirklich stets vor Augen haben,
ist, daß wir uns nicht selbst kopieren oder wiederholen wollen. Wenn
ich Songs schreibe, dann sicher mit einem gewissen Background aus Technik
und Erfahrung – und fühlt sich ein Song, eine Idee dann gut an, bleibe
ich dabei.“ Der emotionale Punkt ist es vielleicht auch, warum Hammerfall
als jüngere Vertreter der True Metal-Schiene immer noch hoch im Kurs
stehen, während sich andere Bands als Eintagsfliegen herausstellten
oder nie über einen gewissen Bekanntheitsgrad hinauskamen. „Ich lasse
in Hammerfall 20 Jahre Heavy Metal einfließen, 20 Jahre, in denen
ich selbst stets Fan war und die Mucke gelebt habe. Ich versuche, das zu
machen und zu schreiben, was ich als Metalhead selbst gern hören würde,
und ich denke, diese Energie kann man bei uns spüren.
Mir war es dabei immer ein Anliegen, daß
unsere Fortschritte langsam vonstatten gehen – also wirklich Schritte und
kein Gerenne, bei dem sich der Sound und Stil zwar weiterentwickelt, diese
Veränderungen aber für niemanden mehr nachvollziehbar sind. Zum
einen das und zum anderen wäre es bescheuert, die gleiche Platte zweimal
aufzunehmen – so wächst man als Band nicht.“ Doch ist dieser Spagat
zwischen Weiterentwicklung und Stiltreue nicht gerade immer einfach.
„Vor allem dann nicht, wenn man zuviel darüber
nachdenkt. Das sollte man vermeiden, zumindest sehe ich das so. Wir können
auch nicht einfach Dinge verändern, die die Basis unseres Sounds darstellen,
aber man kann durchaus Neues einfließen lassen. Das Hauptaugenmerk
muß auf die Songs und die Melodien, gute Melodien, gerichtet sein,
das Ganze muß interessant klingen.“ Wieviel in der Metal-Szene seit
Hammerfall´s Debut 1997 passiert ist, ist Oscar nicht entgangen –
sowohl Positives als auch Negatives.
„Der ganze musikalische ‚Plan’ ist heute um einiges
besser, doch andererseits bin ich der Meinung, daß die Labels wählerischer
sein könnten, wenn es darum geht, neue Bands unter Vertrag zu nehmen.
Als Plattenfirma muß man an die Band glauben, die man signt, man
muß bereits sein, wie wirklich aufzubauen und zu investieren. Alles
andere bringt doch nichts. Andersherum gesehen, tut man auch mehr für
eine band, wenn man wirklich hinter den Musikern und dem Sound steht, man
steckt wirklich Kraft in die Promo, den Vertrieb, Konzerte etc… Was wären
Kiss heute, hätten sie nicht eine Plattenfirma gehabt, die an sie
geglaubt hätte?“ Wohl nicht soo weit. Was nichts an der Qualität
der Mucke geändert hätte.
„Ich finde, die Plattenfirmen müssen sich
ihrer Verantwortung bewußt werden und diese auch übernehmen.
Da draußen fleuchen eine Menge Bullshit-Labels durch die Gegend,
die nur an die große Kohle denken - vergeßt doch bitte
die Musiker, die Bands dabei nicht.“ Hammerfall haben es da gut erwischt
und bilden seit Anfang an ein klasse Team mit ihrer Plattenfirma Nuclear
Blast. „ Wir haben ein klasse Verhältnis zueinander, die Leute dort
sind absolut toll. Die Musik ist komplett unsere Sache, doch wir besprechen
alles, wie Merchandise, Covers usw. Ohne diese Freiheit in musikalischer
Hinsicht könnte ich auch gar nicht.“ Auch wenn es um Konzerte und
Touren geht, haben Oscar und seine Kollegen einen kompetenten Partner mit
Access an ihrer Seite.
„Für mich sind das die Besten in dem ganzen
Business. Super ehrlich, nicht zu geschäftsorientiert und stehen hinter
dem, was sie machen. Wir haben mit den Jungs nicht einmal einen Vertrag,
es läuft alles auf Vertrauensbasis, was heute wirklich selten ist.
Zu viel Business bedeutet immer zu wenig Spaß und ich bin froh, daß
das bei uns nicht der Fall ist. Wir sind wie Freunde und darum funktioniert
es mit Access auch so gut, es ist eine Frage des Respekts.“ Nuclear Blast
hat sich im Laufe der letzten Jahre nicht nur zu einem großen, sondern
auch sehr erfolgreichem Label entwickelt, daß eigentlich Metal-Bands
jeglicher Coleur im Stall hat. „ Ich finde auch, daß es die passende
Plattenfirma für fast jede Band ist. Klar, es kommt drauf an, welche
Erwartungen man an ein Label stellt“, wirft der Gitarrist ein.
Für eine reine Spaß- und Wiesen-Band
sind NB sicher nicht die richtigen Leute, wer allerdings richtig arbeiten
will, dürfte dort an der richtigen Adresse sein. Und so langsam kommen
wir zum Thema ‚Kommerz’. „Ich kann Leute nicht für das verurteilen,
was sie tun. Ich finde es sicher schade, wenn jemand nur Musik macht oder
in diesem Business des Geldes wegen arbeitet, aber das muß wohl jeder
so machen, wie er oder sie meint. Es ist allerdings traurig, wenn
man sich so manche Entwicklung anschaut.“ Dabei war Oscar selbst kurz davor,
seinen Glauben an Metal an sich und die Szene zu verlieren, wie er erzählt:
„Irgendwie wurde auf einmal zuviel über Geld
und den ganzen Kram gequatscht und für kurze Zeit entfernte ich mich
innerlich von Hammerfall und dem ganzen Metal-Zeugs.“ Wie der Gute allerdings
auch zugibt, war der Metal eben Gott sei Dank doch zu stark. Und so wirklich
viel hat sich doch eigentlich seit den Anfangstagen nicht verändert,
oder? ;o) Man schreibt Songs, nimmt sie auf und hopst auf Bühnen rum.
„Ja schon“, lacht Oscar. „Nur daß die Orte
und Bühnen, auf denen wir spielen, immer größer geworden
sind. Ich finde es auch klasse, wenn wir die Show an sich größer
und fetter machen können, Ideen haben wir genug. Und dafür braucht
man eben auch wieder größere Bühnen, Hallen und den ganzen
Krempel.“ Einen Traum wär da aber schon noch: „Ich würde gern
die Monsters-of-Rock-Tour wieder zum Leben erwecken. Das war schon cool
damals. Das Ozz-Fest ist ja so was ähnliches. Ich würde dabei
keine 70 Bands zusammenpacken, sondern einfach je einen Tag voll mit g´scheitm
Metal.“ EV
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